Beschreibung eines Seelenzustands

Verbindung von Emotion und Fuge:
Deutsche Mozart Wochen in der
Prümer Basilika.Foto: Patrick Lux
 

Deutsche Mozart Wochen Eifel:
Das "Requiem" und Mendelssohn-Bartholdys 42. Psalm

Von unserer Mitarbeiterin
EVA-MARIA REUTHER

PRÜM. Die Eifel tut Mozart gut. Mit einem grandiosen Konzert eröffnete der Kammerchor der Region Westeifel in der Prümer Basilika St. Salvator unter der Leitung von Christoph Schömig die Deutschen Mozart Wochen.


Es war, als ob sich Landschaft und Kunst zur Seelenkulisse für die Musik verbunden hätten. Draußen wehten die Herbststürme die Blätter von den Ästen, drinnen im Kirchenschiff von St. Salvator kämpfte ein Mensch mit seiner Angst. Da konnten nicht einmal die unschuldigen Engel helfen, die golden vom Hochaltar herüberschimmerten. Mozarts Requiem ist vielleicht das bewegendste musikalische Zeugnis ungeschützter Todesangst. Es ist Menschsein pur: unfertig, voller Brüche und ein wenig hilflos in seinen Versuchen, Trost zu spenden.

Seelennacht herrscht, wenn eingangs das "Requiem aeternam" erklingt, von ewiger Ruhe und ewigem Licht kann keine Rede sein trotz des anders lautenden Textes. Wer noch Zweifel daran hatte, dass der frühvollendete Komponist der erste Romantiker war, den hat spätestens das Konzert in der Prümer Basilika eines Besseren belehrt. Man muss ihm ein großes Kompliment machen: Regionalkantor Christoph Schömig versteht es, Musik nach ihrem Tiefsinn zu hinterfragen und ihn kongenial zu transportieren. So ließ denn seine Interpretation auch keinen Zweifel daran, dass die unvollendete Totenmesse, die Mozarts Schüler Süßmayr nach Skizzen seines Lehrers ergänzte, trotz ihres liturgischen Textes viel eher die Beschreibung eines Seelenzustandes ist als ein geistliches Werk.

Schömig ließ der Tonschöpfung ihre Zerrissenheit und ihre ganze kreatürliche Bedürftigkeit. Da wurde nichts musikalisch schöngeredet oder geglättet. Im steinernen Raum der Kirche erlebten Mozart- und Musikfreunde eine faszinierende Verbindung von Emotion und Fuge von großen symphonischen Klangbildern und harten, einsamen Schreien. Da konnten auch die vier Solisten als (werkgerecht) schüchterne Bittsteller wenig ausrichten.

Schömig erwies sich als Meister des homogenen Klangs. In ihm einte er seine Chormitglieder zum großen Klangausdruck. Wer den Kammerchor zum ersten Mal hörte, war ohne Zweifel fasziniert von seiner unerwarteten Farbenvielfalt, die vom apokalyptischen "Dies irae" bis zum vermeintlich erlösten "Sanctus" reicht, die sich gleichermaßen in kraftvoller Fülle wie durchsichtiger Klarheit äußert. Mit der jungen Philharmonie Bonn hatte der Chor vorzügliche orchestrale Begleiter. Wunderschön: die Streicher, wohltönend die Fagotte. Dass Schömig nicht nur ein geistreicher Musiker, sondern auch ein intelligenter Musik-Dramaturg ist, zeigte sich einmal mehr in der Programmgestaltung. Sie reizte geradezu zur theologischen Diskussion über Erlösungsideen.

Ein furioses Ende bekehrt den Zweifler

Auf Mozarts Requiem folgte Felix Mendelssohn-Bartholdys 42. Psalm "Wie der Hirsch schreit". Wo der Wiener Komponist in seiner Erdennacht gefangen ist, da sieht Mendelssohn längst musikalisch und geistlich Licht. Wie eine schützende Hülle legte sich gleich eingangs der Chorgesang um das harrende Publikum. Poesie und eine fast kindliche Frömmigkeit teilten sich mit. Zuversichtlich erklang der Choral. Das furiose Ende mochte den letzten Zweifler bekehren.

Mendelssohns Psalm gleicht in seiner Dichte einem Mini-Oratorium. Das war die große Stunde von Ursula Dimmer, deren schlanker Sopran das Kirchenschiff erfüllte. Sie war die herausragende Solistin des Abends. Weniger gut disponiert war Altistin Nicole Haas. Etwas kraftlos erschien auch Bassist Bernd Kämpf, ein wenig zu opernhaft gab sich der Tenor Thomas Siessegger (alle drei Solisten sangen im Requiem) Keine Frage: Mozart macht nicht nur munter, er belebt auch ungeheuer die Diskussion. Man darf sich auf die nächsten Konzerte freuen.
 

 

Fantastisches Erlebnis mit Gänsehaut

Ausverkauftes Eröffnungskonzert in der Prümer Basilika ­ 
TV präsentiert herausragende Veranstaltungsreihe in der Eifel

Gänsehaut-Atmosphäre in der
Basilika:
Die Junge Philharmonie Bonn
und der
Kammerchor der Region Westeifel
begeisterten 900 Zuhörer.
Foto: Patrick Lux
 

 

 

 


Von unserem Redakteur
MARCUS HORMES
 

PRÜM. Lob von allen Seiten gab es für das Eröffnungskonzert der Deutschen Mozart-Wochen in der Eifel, die der Trierische Volksfreund präsentiert. Die Organisatoren sind zuversichtlich, dass die neun weiteren Konzerte auf eine ähnlich gute Resonanz stoßen.


Rund 900 Menschen lauschten in der St. Salvator-Basilika Prüm andächtig der Jungen Philharmonie Bonn und dem Kammerchor der Region Westeifel unter der Leitung von Regionalkantor Christoph Schömig. Gemeinsam mit den Solisten Ursula Dimmer, Nicole Haas, Thomas Siesseggger und Bernd Kämpf trugen sie Mozarts Requiem und den Psalm "Wie der Hirsch schreit" von Mendelssohn-Bartholdy vor.

Einmaliges Stelldichein

Im Anschluss an das Konzert folgte die feierliche Eröffnung der Veranstaltungsreihe im Casino der Kreissparkasse (KSK) in Prüm. "Das war der Startschuss für ein einmaliges Stelldichein von Künstlern in Schlössern und Kirchen der Region", sagte KSK-Vorstandsvorsitzender Ingolf Bermes bei der Begrüßung der zahlreichen Ehrengäste. "Wir danken allen Akteuren, Organisatoren und Helfern für ein ausgezeichnetes Konzert."

Landrat Roger Graef unternahm einen Ausflug in die Musikgeschichte: "Prüm mit seiner Benediktinerabtei war die Wiege der Zivilisation und Kultur für den gesamten Eifel- und Ardennen-Raum." In der Basilika erinnerten daran zum Beispiel das Chorgestühl aus dem 18. Jahrhundert und die prächtige barocke Orgel-Empore. Die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart führe zum erfüllten Menschen und idealer Schönheit. Zum ersten Mal gebe es die Mozart- Wochen als bedeutendstes Musikfestival in der Eifel ­ "und hoffentlich nicht zum letzten Mal", sagte Graef.

Jürgen Hardeck, Referent im Mainzer Kultusministerium, verwies auf die Qualität und Vielfalt der Aktionen: "Rheinland-Pfalz ist zu einem Kulturland geworden." Hardeck sah sich in seiner Erfahrung bestätigt: "Wenn Profis und Amateure zusammen arbeiten, gibt es häufig einen hervorragenden Gesamtauftritt. Das ist auch ein Prinzip des Kultursommers."

Bürgermeister und Mit-Initiator Aloysius Söhngen war bei den ersten Tönen des Requiems "elektrisiert, angespannt und mitgenommen in der großen Emotion". Er erinnerte an die Litauischen Kulturtage in Prüm und Umgebung, bei denen die Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Mozart-Gesellschaft begonnen hatte. Als Reaktion auf die Rede des Landrats sagte Söhngen augenzwinkernd: "Wir sind nicht nur die Wiege der Eifel-Kultur, sondern hier wird Kultur auch gelebt."

Georg Mais, Vorsitzender der Mozart-Gesellschaft und künstlerischer Leiter der Mozart-Wochen, sprach von einem "fantastischen Konzert": "Ich bin begeistert von allen, die mitgeholfen haben." Mais dankte den Hauptsponsoren Volksbank Eifel-Mitte, Kreissparkasse Bitburg-Prüm, Bitburger Brauerei und Gerolsteiner Sprudel sowie dem TV als Präsentator für ihre Unterstützung. "Wir wollen der Region zu dem Prestige verhelfen, dass sie verdient hat. Dafür sind optimale Voraussetzungen geschaffen."

Alle Redner stellten besonders die Rolle des Organisations-Leiters Georg Sternitzke heraus, der auch das Verkehrsamt Prümer Land leitet. Sternitzke selbst brachte es auf den Punkt: "Ich bin glücklich. Wir haben seit fast zwei Jahren darauf hingearbeitet und die Eröffnung mit Hochspannung erwartet."

Herbert Fandel, Leiter der Kreismusikschule und FIFA-Schiedsrichter, erwartet auch für die weiteren neun Konzerte einen enormen Zuspruch: "Ich bin überrascht und begeistert, dass es gelungen ist, eine solche professionelle Veranstaltungsreihe mit vereinten Kräften auf die Beine zu stellen." Christoph Schömig sei eine Integrationsfigur der Kulturarbeit und ein Glücksfall für die Eifel. Für Schömig selbst ist es ein Erfolgsgeheimnis, dass Sänger aus der gesamten Region sich teilweise gezielt für bestimmte Projekte zusammentun. So wirkten bei dem Konzert aus dem Gesamtkreis von 90 Aktiven des Kammerchors 60 Stimmen mit.

Prüm als Kulturstadt

Ganz vorne in der Basilika saß Marie-Luise Niewodniczanska aus Bitburg, die von der einmaligen Akustik schwärmte: "Ein wunderbarer Abend auch für Leute, die sonst nicht unbedingt in klassische Konzerte gehen." Ähnlich sah es Stadtratsmitglied Markus Fischbach aus Prüm: "Ich könnte mir vorstellen, dass mal ein Weihnachtskonzert in der Basilika organisiert wird, vielleicht in Verbindung mit einem Weihnachtsmarkt." Daneben nickte Dirk Kleis, Sprecher des Prümer City-Marketings: "Für die Stadt war das eine ganz wichtige Veranstaltung, die den Stellenwert von Prüm als Kulturstadt ins rechte Licht gerückt hat."

Bereits ausverkauft ist das Konzert am 18. Oktober mit dem Barockensemble "Dresdner Hausmusik" auf Schloss Malberg. Wenige Karten sind noch übrig für das Zürcher Klaviertrio am 19. Oktober auf Schloss Weilerbach. Eventuelle Restkarten gibt es in beiden Fällen an der Abendkasse. Größer ist die Kapazität beim Kurpfälzischen Kammerorchester am 20. Oktober, 18 Uhr, in der Kyllburger Stiftskirche. Auf dem Programm stehen Werke von Mozart, Haydn, Anton Fils und Pieter van Maldere.