Disposition der Albert Keates-OrgelDer Orgelbauer Albert KeatesDie 2. AusbaustufeDie Albert Keates-Orgel in Rodershausen -
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Disposition der Albert Keates-Orgel: Great C-c4 (61 Tasten) Swell:
C-c4 Choir:
C-c4 Pedal:
C-f1 (30 Tasten) *Zimbelstern
Couplers: Great: G-I, G-II, G-III, G4, G16, Sw4-G, Sw16-G,
Ch4-G, Ch16-G, Choir: Ch-I, Ch-II, Ch-III, Ch4, Ch16, G4-Ch,
G16-Ch, Sw4-Ch, Sw16-Ch, Swell: Sw-I, Sw-II, Sw-III, Sw4, Sw16, G4-Sw,
G16-Sw, Ch4-Sw, Ch16-Sw, Pedal: G-P, G4-P, Ch-P, Ch4-P, Sw-P, Sw4-P Tastenfessel,
Balancietritt Swell Inschrift über dem Spieltisch: To the Glory of God & in Honour of the Men who served during the Great War. 1914-1919. (Zur Ehre Gottes und zum Andenken an die, die im großen Krieg gedient haben. 1914-1919) |
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Die 13 Register
umfassende Keates-Orgel wird in einem späteren Ausbauschritt
erweitert werden. Die 2. Ausbaustufe
beinhaltet das Teilwerk Choir (11 Register), die Pedalzungen Trombone
16 und Trompet 8 sowie Zimbelstern, Bird (Vogelgesang) und Röhrenglockenspiel. Das dritte Manual
und die entsprechende Trakturtechnik sind für das Choir und
die Pedalregister schon eingebaut (eingelagert). Auch das Pfeifenwerk
für Choir und Pedal ist bereits vorhanden. Es fehlt noch die
Choir-Schleiflade (11Register) mit den Spielventil- und Schleifenzugmagneten.
Für das Choir ist eine eigene Windversorgung vorgesehen. Die
Realisierung des Röhrenglockenspiels wartet noch auf einen
wohlwollenden Spender (ca. 5.000 Euro). Anzahl der
Orgelpfeifen: Original Keates-Orgel:
8x61 + 3x49 + 42 Pedal Zusammen: 677 Pfeifen (Stand bei der Einweihung
am 19.03.2006), 13 Register Originalbestand. 2. Ausbaustufe:
9x61 + 3x61 (Mixtur) + 1x49 (Salicional) + 42 Pedalzungen (16,
8) Zusammen: 823 Pfeifen, das sind 13 Register,
kommen bei 2. Ausbaustufe dazu.
Spätere
Gesamtzahl der Pfeifen: 1500 Pfeifen + Röhrenglockenspiel
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Albert Keates wurde 1863 in Staffordshire
geboren und kam beim Orgelbauer John Stringer & Co. in die Lehre.
Später wurde er leitender Intonateur und Stimmer bei Brindley
& Foster, seinerzeit der bekanntesten Orgelbaufirma von Sheffield.
1885 machte er sich selbständig, zunächst in Zusammenarbeit
mit Edwin Lowe. In den frühen 90er Jahren des 19. Jahrhunderts
erwarb er an der Charlotte Road in Sheffield große Liegenschaften,
die später als Sheffield Orgelwerke berühmt wurden. In der Mitte der 90er Jahre hatte er ein
volles Auftragsbuch und er baute nun auch dreimanualige Orgeln bis
nach Greenock, Penrith, Birmingham und Belfast. In einer Opusliste
sind im Zeitraum zwischen 1889 und 1939 90 Werke vermerkt, wobei
es sich entweder um Neubauten oder grundlegende Umbauten handelt.
Albert Keates verstarb im Jahre 1950. Das Unternehmen wurde zu Beginn
der 1950er Jahre von Harris Organs, Birmingham,
übernommen. Die bekannterweise hervorragende Intonation
seiner Orgeln hat Albert Keates dem Intonateur Karl Schulze, den
er von der Orgelbaufirma Brindley & Foster abgeworben hat, zu
verdanken. Karl Schulze hat bei der deutschen Orgelbaufirma Edmund
Schulze gelernt und hat dadurch deutsche Orgelbautradition in die
Keates-Orgeln einfließen lassen. Mit diesem Instrument ist unsere Orgellandschaft
um ein einzigartiges Instrument reicher geworden, das die adäquate
Interpretation von englischer Orgelliteratur bzw. das Begleiten
englischer Chorliteratur ermöglicht.
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Die
Albert Keates-Orgel in Rodershausen - (von Reiner
Simon) Nun haben wir
es doch geschafft. 107 Jahre hat es gedauert, bis die Pfarrei Rodershausen
mit ihrer schmucken neugotischen Pfarrkirche eine Orgel, wohlgemerkt
eine richtige Pfeifenorgel, ihr Eigen nennen kann. Das Harmonium,
das in den 1930er Jahren angeschafft wurde und ein bereits vorhandenes,
kleineres Harmonium ablöste, tritt nun in seinen wohlverdienten
Ruhestand. Sei nicht
unfair! Das Harmonium kann nichts dafür, dass es keine Orgel
ist, zudem es auch noch über viele Jahrzehnte deren Aufgabe
übernehmen musste. Na ja. Schwamm
drüber
Die Albert Keates-Orgel
wurde 1920 für die Methodist Church in Norton Woodseats, Yorkshire,
im Süden Sheffields gebaut. Ah! Schöne
Gegend. Wenn man mal von grauen verrußten Industriestädten
wie Leeds und Sheffied absieht. Dort tat sie
ihren Dienst bis 1977. Dann fusionierte die Gemeinde mit einer Nachbarpfarrei
und schenkte ihre offensichtlich nicht mehr benötigte Orgel
der Ebenezer Methodist Church in Bramley, die etwas nordöstlich
liegt, da das dortige Instrument einem Wasserschaden zum Opfer fiel. Ups! Schlechte
Küche, schlechte Wasserleitungen? Die Albert Keates-Orgel
wird 1977 in Bramley aufgebaut durch den Orgelbauer J.M.Spink aus
Leeds, der das Instrument wohl auch bis zum Abbau 2004 wartete.
Wartungs- und Reparaturarbeiten sind für die Jahre 1989 und
1990 belegt. 1989 wird ein Brandschaden der Orgel repariert. Ein Unglück
kommt selten allein. Erst Wasserschaden, dann Feuerschaden
was
denn noch? Einige wenige
Spuren dieses Unglücks lassen sich noch heute in der Orgel
finden. Betroffen war die Cs-Seite des Instrumentes, auf der die
mechanische Registertraktur überarbeitet und teilweise erneuert
werden musste. Es ist anzunehmen, dass das Instrument bei dieser
Gelegenheit Generalgereinigt wurde, spätestens aber 1990, als
der noch nicht besetzte Registerstock im Great mit der Stimme Fifteenth
(2-Register) versehen wurde. Hierbei handelt es sich um ein gebrauchtes
Register einer anderen, aber unbekannten Orgel. Das belegen die
abweichenden Pfeifensignaturen und die neu erstellten Rasterbrettchen. Ach wie süß.
Rasterbrettchen, kann die mein Frisör auch? Nach der Schließung
der Ebenezer Methodist Church in Bramley im Jahr 2003, wurde die
Orgel im Frühjahr 2004 veräußert und von der Firma
Andreas Ladach, Wuppertal, gekauft und in der ehemaligen Trinitatiskirche,
die jetzt Ausstellungsraum der Firma Ladach ist, aufgebaut. Im Sommer
2004 wurde sie dort für ihre dritte Wirkungsstätte Rodershausen
entdeckt und im Oktober gekauft, abgebaut, verpackt und nach Rodershausen
Transportiert. Zack bum,
machen die in England den Laden dicht und verhökern die Kiste
nach good old Gemany. Herr Organist, jetzt aber mal ´ne Frage.
Wie kommen wir eigentlich dazu den englischen Schrott hier rüber
zu schaffen, ihn zu entdecken und schließlich und endlich
auch noch pfundweise Euros dafür zu bezahlen? Die Kiste ist
ja noch älter als das Harmonium, das sie so verwünschen. Eine solide,
nach alten tradierten handwerklichen Fertigungstechniken erstellte
Orgel kann leicht mehrere hundert Jahre überdauern. Die Albert
Keates-Orgel ist ein solches Instrument. Es besitzt Windladen (Schleifladen)
in Massivholzbauweise, die fast unverwüstlich sind. Die Laden
sind das Kernstück einer Orgel. Natürlich wurden die Windladen
fachgerecht durchgesehen und überarbeitet. Das erledigte die
Orgelbaufirma Hubert Fasen aus Oberbettingen bei Hillesheim. Auf
den Schleifladen stehen die Pfeifen und im innern der Laden sind
die Ventile. Diese lassen den Wind zu den Pfeifen, wenn man die
Tasten drückt. Die Verbindung von der Taste zur Windlade nennt
man Traktur. Eine Trak-was?
Die Traktur,
also die Verbindung von Taste zum Spielventil in der Windlade, wurde
bei der Sanierung der Orgel erneuert. Aha! War
also doch irgendwo der Wurm drin, was? Das ursprünglich
mechano-pneumatische Traktursystem wurde durch eine elektrische
Traktur in modularer Bustechnik ersetzt. Dadurch kann bei der später
folgenden zweiten Ausbaustufe der Orgel ein drittes Teilwerk, das
Choir, angesteuert werden. Super. Und
das alles durch ´nen Bus mit Solarantrieb. Die Klaviaturen
der Orgel umfassen eine Pedalklaviatur, die mit den Füssen
gespielt wird und ursprünglich zwei Manualklaviaturen (Great
und Swell) für die Hände. Ein drittes Manual wurde hinzugefügt
für das noch zu erbauende Choir. Aber Moment
'mal. Ein drittes Manual? Haste denn da noch Hände und Füße
genug? Die Klaviaturen
sind untereinander koppelbar und ermöglichen das spielen mehrerer
Teilwerke (Great, Swell, Choir u. Pedal) auf einer Klaviatur oder
auf mehrere Klaviaturen verteilt. Ach so, koppelbar!
Das erinnert irgendwie an Cocktailbar, macht auf jeden Fall Durst,
gell? Das elektrische
Traktursystem macht zudem einige so genannte Spielhilfen möglich,
welche, sinnvoll eingesetzt, die Palette an Klangfarbmischungen
enorm vergrößert. Da gibt es neben den Normalkoppeln
jeweils auch Super- und Subkoppeln und sogar die selten zu findende
Melodiekoppel. Ach ja, seufz,
die Melodiekoppel. Die steht sicher auf der roten Liste, weil sie
vom Aussterben bedroht ist. Aber wie ist das jetzt mit den deutschen
Kirchenliedern. Spielt ´ne alte englische Orgel denn so was
überhaupt? Zunächst
einmal: nicht die Orgel spielt, sondern der Organist. Verzeihung. Die Keates-Orgel
ist stilistisch eine romantische Orgel. Oh, schön,
romantisch. Das bedeutet
sie hat in ihrer Disposition der Klangfarben einen hohen Anteil
an Grundstimmen, ein Schwellwerk mit Schwebung und Zungenregister.
Das sind vor allem Klangfarben, die man braucht, um die Orgelliteratur
des 19. und frühen
20. Jahrhunderts gut darzustellen. Nicht nur die englische Musik,
sondern auch die französische und deutsche Orgelmusik dieser
Zeit, lässt sich gut auf der Keates-Orgel realisieren. Nur
soviel zum Thema deutsche Kirchenlieder. Was ist denn
bitteschön ein Schwellwerk? Das Schwellwerk
ist ein Teilwerk der Orgel, dessen Pfeifen in einem separaten Gehäuse
(von außen nicht sichtbar) stehen. Es ist rundherum geschlossen.
Am Spieltisch gibt es einen Pedaltritt, mit dem man Jalousie-artige
Klappen am Schwellwerkgehäuse öffnen und schließen
kann. Der Klang des Schwellwerks kann so laut und leise gestellt
werden. Diese Einrichtung
find ich sehr rücksichtsvoll für die Gottesdienstbesucher.
Denn manche mögens leis´. Wie ist das mit den Außenpfeifen,
sind die aus echtem Gold? Natürlich,
was den Engländern für ihren Kirchenschmuck gut ist, ist
uns billig. Das klärt auch die Frage, warum der Rodershausener
Organist keinen goldenen Trauring trägt. Der wurde zum ausflicken
eines Loches in einer goldenen Prospektpfeife verlötet. Dieser
Umstand nährt auch das Gerücht, das er mit seiner Orgel
quasi verheiratet ist. Na, jetzt
verlötest du mir aber was. Na ja, zugegeben,
das ist Quatsch. Die Prospektpfeifen (Schaupfeifen) sind nur goldbronziert,
wie man es in England oft sieht. Manchmal sind sie auch mit dekorativen
Ornamenten bemalt, wie z.B. in der Stiftskirche in Kyllburg. Da
steht auch eine kleine englische Orgel, quasi die kleine Schwester
aus England. Ach, es gibt
noch mehr englische Orgeln in Deutschland? Ja, einige wenige.
Die nächste direkte Verwandte unserer Orgel steht in München
St.Wolfgang. Die haben 2004 eine gebrauchte Keates-Orgel mit 28
Registern eingeweiht. Ja pfundig!
Jetzt bin ich aber beruhigt. Wenn eine englische Orgel auch auf
bayerisch spielen kann, dann dürfte es mit unserem Platt wohl
keine Probleme geben. Ja, und nicht
vergessen: nicht die Orgel spielt, sondern der Organist. Verzeihung.
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